1. Was heißt „Wirtschaftlichkeit“?
Jedermann glaubt zu wissen, was unter dem Begriff der „Wirtschaftlichkeit“
zu verstehen ist. Nur zu oft wird er indessen zu eng gefasst. Deshalb
soll hier vorerst rekapituliert werden, was er beinhaltet:
- die Kosten: je geringere Kosten anfallen, desto wirtschaftlicher
ist ein Produkt. Dabei geht es um die Investitionskosten resp. daraus
abgeleitet die Kapitalkosten die Betriebs- und Unterhaltskosten,
- die Ertragsseite: je mehr Kundennutzen ein Produkt stiftet, desto
höher ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden, desto besser wird
ein Produkt auch vom Markt aufgenommen. Logische Schlussfolgerung:
es generiert Mehrerträge und desto wirtschaftlicher ist es auch
- die sog. „externen Kosten“ wie Luftund Lärmbelastungen, Unfälle
etc.: je weniger externe Kosten ein Produkt verursacht, desto besser
ist es aus einer volkswirtschaftlichen Sicht.
Bei einer Beurteilung der Produkte „Beförderung mit Dieselbus“ resp.
„Beförderung mit Trolleybus“ ist dies nicht anders. Dass eine Kostenbetrachtung
zu einer Wirtschaftlichkeitsanalyse gehört, braucht nicht näher
erläutert zu werden. Dass aber auch Marktüberlegungen, d.h.
die Frage, welches Produkt besser vom Markt aufgenommen wird, zu einem
Wirtschaftlichkeitsvergleich gehören, geht gelegentlich vergessen.
Noch öfters wird die volkswirtschaftliche Seite ausgeblendet. Dabei
sind die externen Kosten gerade im Verkehr sehr bedeutsam. Die Öffentlichkeit
als Vertreterin der Interessen der Allgemeinheit und gleichzeitig wichtige
Bestellerin von Leistungen und Finanziererin von Verkehrsinfrastrukturen
muss diese Aspekte berücksichtigen. Die Öffentlichkeit als Kundin
kann und muss auch mit Argumenten zu den externen Kosten überzeugt
werden.
Im folgenden werden diese Aspekte der Wirtschaftlichkeit erörtert.
Es wird auf heutige Daten zurückgegriffen, aber es werden auch die
Aussichten kurz andiskutiert.
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen werden beim Einsatz von Trolleybussen
aber nicht nur „absolut“ angestellt, sondern oft in Relation zu konkreten
Alternativen. Hauptkonkurrent für Trolleybusse sind Dieselbusse.
Deshalb werden im folgenden die Wirtschaftlichkeitsaspekte in Relation
zum Dieselbus gestellt.
Die Ausführungen zur betriebswirtschaftlichen Seite gründen
auf Unterlagen der Verkehrsbetriebe Winterthur, der Verkehrsbetriebe Luzern
und der Verkehrsbetriebe Zürich sowie auf Erfahrungen der Metron
Verkehrsplanung AG und eigenen Berechnungen. 2. Betriebswirtschaft:
die Kostenseite
2.1 Investitions- und Kapitalkosten
Die Kosten für die Benützung der Strasse werden im ganzen folgenden
Dokument ausgeklammert. Sie wären in beiden betrachteten Alternativen
identisch. Die Investitionskosten für Trolleybus-Systeme sind deutlich
höher als in Dieselbusse, wie folgende Tabelle zeigt. Sie gründet
auf einem konkreten Fall in Winterthur/ Schweiz, wo entsprechende Überlegungen
für die Linie 4, einen Rundkurs von ca. 4.5 km Länge und 10-Minutentakt
angestellt worden sind. Allerdings wurden die Zahlen leicht modifiziert,
u.a. um damit linienspezifische Kosten zu eliminieren. Zudem wurde auch
gefragt, erstens mit welchen Kosten für eine Neuanlage zu rechnen
ist und zweitens, mit welchen Kosten bei einem 5-Minuten-Takt zu rechnen
ist.
Es ist mit folgenden Investitionskosten zu rechnen:
Tabelle 1 |
Dieselbus |
Trolleybus |
in Mio.  |
|
|
Ersatz |
Neuanlage |
Fahrzeuge |
10 Min. Takt |
0,8 |
1,5 |
1,5 |
|
5 Min. Takt |
1,6 |
2,9 |
2,9 |
Leitung |
|
|
0,5 |
1,8 |
Total |
10 Min. Takt |
0,8 |
2,0 |
3,3 |
|
5 Min. Takt |
1,6 |
3,4 |
4,8 |
Investitionskosten in Dieselbusse resp. ein Trolleybus-System
für einen Rundkurs mit 5- resp. 10-Minuten- Takt, Ersatz- und Neuanlage.
Quelle: EBP 2002, VBL 2002, eigene Annahmen
Gerade bei der Fahrleitung können die Kosten enorm vom eingesetzten
Mittelwert abweichen. Am günstigsten sind Fahrleitungen in geraden
Häuserschluchten, am kostspieligsten sind kurvige und Strecken in
coupiertem freiem Gelände. Auch Weichen sind kostspielig, erlauben
aber möglicherweise auch die Nutzung gemeinsamer Streckenabschnitte
durch mehr als eine Trolleybuslinie.
Die Zahlen zeigen indessen klar: bezüglich Investitionsaufwand sind
Trolleybusse sehr viel teurer als Dieselbusse. Trolleybusse sind
- 4 mal so teuer wie Dieselbusse bei einer Neuanlage und 10-Min.-Takt
- 3 mal so teuer bei einer Neuanlage und 5 Min.-Takt
- 2.5 mal so teuer bei einer Ersatzbeschaffung und 10 Min.-Takt
- 2 mal so teuer bei einer Ersatzbeschaffung und 5 Min.-Takt
Ist bei diesen krassen Befunden das Thema Wirtschaftlichkeit für
den Trolleybus schon erledigt? Nein.
Leider sehen aber viele Leute, insbesondere PolitikerInnen, oft nur diese
eine Zahl und schließen voreilig, dass Trolleybusse unwirtschaftlich
sind. Eine seriöse Betrachtung darf diese Zahlen aber nur zur Grundlage
nehmen für weitere Wirtschaftlichkeitsüberlegungen.
Die Investitionskosten sind die Grundlage für die Kapitalkosten aus
Verzinsung und Amortisation. Die anrechenbaren Kapitalkosten hängen
stark ab von folgenden Faktoren:
- Abschreibungsdauer: je länger die wirtschaftliche Lebensdauer,
desto geringer fällt die jährliche Belastung aus Verzinsung
und Amortisation aus, die Differenz zwischen Trolleybussen und Dieselbussen
verringert sich;
- Zinssatz: je tiefer der Zinssatz, destogeringer fällt die Verzinsung
der Investitionskosten aus, die Differenz zwischen Trolleybussen und
Dieselbussen verringert sich nochmals.
Ist die Lebensdauer von Dieselbussen und Trolleybussen unterschiedlich,
d.h. diejenige von Trolleybussen höher, dann würde sich die
Wirtschaftlichkeitsrechnung nochmals zugunsten des Trolleybusses verbessern.
Genau dies ist der Fall: Trolleybusse werden in der Regel in längeren
Zeiträumen abgeschrieben als Dieselbusse. Die Abschreibungspraxis
ist indessen nicht einheitlich. Konkret sind Abschreibungsdauern von 10
und 14 Jahren für Dieselbusse, von 15 und 18 Jahren für Trolleybusse
bekannt.
Variiert man die verschiedenen Parameter, öffnet sich ein weites
Feld von Kostenangaben. Die folgenden Rechnungen wurden auf der Basis
von Gelenkbussen vorgenommen.
In Tabelle 2 wurden dem mittleren Fall eine für den Trolleybus sehr
günstige und eine sehr ungünstige Kombination von Annahmen gegenübergestellt:
- günstiger Fall: kurze Abschreibungsdauer beim Dieselbus, lange
Abschreibungsdauer beim Trolleybus, tiefer Zinssatz
- ungünstiger Fall: lange Abschreibungsdauer beim Dieselbus,
kurze Abschreibungsdauer beim Trolleybus, hoher Zinssatz
Tabelle 2
Fall |
Amortisationsdauer
(Jahre) |
Zinssatz
(%) |
Takt
(in Min.) |
Kosten
Trolleybus
(Dieselbus = 100) |
| |
Dieselbus |
Trolleybus |
Fahrleitung |
|
|
|
| Ersatz (mittlerer Fall) |
11 |
16 |
22 |
4 |
10' |
176 |
| Ersatz |
12 |
15 |
22 |
5 |
10' |
199 |
| Ersatz |
10 |
22 |
22 |
3 |
10' |
132 |
| Neuanlage (mittlerer Fall) |
11 |
16 |
22 |
4 |
10' |
277 |
| Ersatz (mittlerer Fall) |
11 |
16 |
22 |
4 |
5' |
157 |
| Ersatz |
12 |
15 |
22 |
5 |
5' |
178 |
| Ersatz |
10 |
22 |
22 |
3 |
5' |
115 |
| Neuanlage (mittlerer Fall) |
11 |
16 |
22 |
4 |
5' |
207 |
Tabelle 2: Kapitalkosten für eine Trolleybuslinie unter unterschiedlichen
betrieblichen und
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Dieselbus = 100)
Tabelle 2 lässt folgende Schlüsse zu:
- die Kapitalkosten für den Trolleybus sind auch unter den günstigsten
Annahmen höher als für den Dieselbus (15%)
- für den 10-Min.-Takt schwanken die Mehrkosten je nach Annahmen
zwischen 30% und 100% für den günstigsten resp. ungünstigsten
Fall, in einem mittleren Fall sind es ca. 75% (bei Ersatzanlagen)
- mit dem 5-Minuten-Takt sinken die Mehrkosten auf 15% bis 80% gegenüber
dem Dieselbus
- die Neuanlagen sind mit mittleren Annahmen für Amortisationsdauer
und Zinssatz 180% beim 10-Min.-Takt und 110% beim 5-Min-Takt höher.
Der höhere Takt entlastet die Kapitalrechnung mehr als bei einer
Ersatzinvestition.
Die Zahlen zeigen: nur schon die Berücksichtigung unterschiedlicher
Lebensdauern für Trolley- und Dieselbusse korrigiert das Kostenbild
aus der reinen Betrachtung des Investitionsaufwands erheblich.
| Tabelle 3 |
Dieselbus |
Trolleybus |
| |

pro Fzkm |
| Fixe Betriebskosten ohne Leitung |
0,27 |
0,33 |
| Fahrleitung |
|
0,27 |
| Total fixe Betriebskosten |
0,27 |
0,60 |
| Strom- resp. Treibstoffkosten |
0,20 - 0,25 |
0,20 - 0,23 |
| Übrige variable Kosten |
0,47 |
0,47 |
| Personalkosten |
3,67 |
3,67 |
| Total variable Betriebskosten |
4,33 - 4,39 |
4,33 - 4,36 |
| Total variable und fixe Betriebskosten |
4,60 - 4,65 |
4,93 - 4,96 |
Tabelle 3: Betriebs- und Unterhaltskosten für Dieselbusse und Trolleybusse
Quelle: EBP2002 und eigene Berechnungen 2.2 Betriebs- und
Unterhaltungskosten
Tabelle 3 zeigt die fixen und variablen Betriebskosten für Diesel-
und Trolleybus. Interessant ist an dieser Zusammenstellung:
- die Personalkosten dominieren alle andern Kostenbestandteile bei
weitem. Sie unterscheiden sich nicht zwischen Dieselbus und Trolleybus
- die periodische Erneuerung des Fahrdrahts macht den wesentlichen
Unterschied zwischen Dieselbus und Trolleybus aus, verteuert aber
den Betrieb nur um ca. 6%
- die Wahl von Green Diesel zur Verbesserung der Umweltbilanz des
Dieselbus (Kosten von ca. 5 Cts. pro Fzkm) fällt ebenso wenig
ins Gewicht wie die Kosten für die Verwendung von Strom aus erneuerbarer
Wasserkraft (ca. 3 Cts. pro Fzkm)
Damit sind nun alle Elemente für eine integrale Betrachtung der Kostenseite
beieinander.
2.3 Kosten: Gesamtübersicht
Die Zusammenstellung über die Kapitalkosten und die Betriebskosten
erlauben nun eine Gesamtsicht (Tabelle 4 - siehe nächste Seite).
Tabelle 4 und die Aussagen vorher zeigen ein recht verlässliches
Bild über Höhe und Zusammensetzung der Vollkosten für den
Trolleybus und den Dieselbus und deren Relation:
- der Trolleybus verursacht, auf einer ver gleichbaren Kostenbasis
betrachtet, ca. 10 bis 20% Mehrkosten gegenüber dem Dieselbus.
- Diese Mehrkosten hängen zwar von den Zinssätzen und der
Amortisationsdauer ab. Wegen der Dominanz der Betriebskosten variieren
die prozentualen Mehrkosten gegenüber dem Dieselbus aber nur
um wenige Prozent
- Auch die Neuanlagen bewegen sich – mit einer Verschiebung um gut
5% nach oben – in diesem Rahmen.
2.4 „Verborgene“ Kosten des Trolleybusses
Dem Trolleybus werden zwei grosse betriebliche Nachteile nachgesagt, deren
Bedeutung aber zu relativieren ist:
- mangelnde Flexibilität, weil sein Betrieb leitungsgebunden
ist
- Probleme der Betriebsreserve bei Netzunterbrüchen
| Kostenkategorie |
Dieselbus |
Trolleybus |
| Tabelle 4 |

pro Fzkm |
| 1. Fixe Betriebskosten |
0,27 |
0,60 |
| 2. Variable Betriebskosten |
4,33 - 4,39 |
4,33 - 4,36 |
3. Investitionskosten/Kapitalkosten (mittlerer
Fall)1 |
|
|
| Ersatzinvestition 10 Min.-Takt |
0,55 |
0,97 |
| Ersatzinvestition 5
Min.-Takt |
0,87 |
| Neuanlage 5
Min. Takt |
1,15 |
Gesamte Kosten
(Vollkosten, mittlerer Fall) |
|
|
| Ersatzinvestition 10 Min.-Takt |
-5,17 |
-5,93 |
| Ersatzinvestition 5
Min.-Takt |
-5,80 |
| Neuanlage 5
Min. Takt |
-6,10 |
Index der Gesamtkosten,
wenn Dieselbus = 100 |
|
|
| Ersatzinvestition 10
Min.-Takt |
100
|
115 |
| Ersatzinvestition 5
Min.-Takt |
112 |
| Neuanlage 5
Min. Takt |
118 |
1Zinssatz 4 %, Amortisationsdauer
Dieselbus 11 Jahre, Trolleybus 16 Jahre
Tabelle 4: Zusammenstellung über die Vollkosten von Trolleybus
und Dieselbus
in Euro pro Fzkm
Tatsächlich erweisen sich der Dieselbus und der Dieselbusbetrieb
in Störfällen als flexibler. Bei einem länger dauernden
Netzunterbruch fällt die gesamte Trolleyflotte aus. Solche Unterbrüche
sind aber sehr selten und dürften über die gesamte Betriebszeit
im Bereich von Bruchteilen von Promillen liegen. Unterbrüche im Trambetrieb
zeigen, dass das Verständnis der KundInnen in solchen Situationen
bei guter Information ausgeprägt ist.
Gewisse Unterbrüche sind planbar wie bspw. Straßenerneuerungen.
Solche Unterbrüche von wenigen Tagen können aber bspw. in Sommermonaten
mit ausgedünnten Fahrplänen und entsprechender betrieblicher
Reserve gelegt werden oder die Unterhaltsarbeiten an den Dieselbussen
können in solchen Zeiten sistiert werden, so dass mehr Reservebusse
zur Verfügung stehen. 3. Kundennutzen: „Die Schienen
am Himmel“
Kann der Trolleybus seinen Kostennachteil von 10 bis 20% am Markt wett
machen? Sollte die Zahlungsbereitschaft für den Trolleybus, oder
mit andern Worten, sollten die Benutzerzahlen beim Trolleybus für
den gleichen Fahrpreis höher sein, dann kann er seinen kostenmäßigen
Nachteil auf der Ertragsseite eventuell ausgleichen. Es gibt tatsächlich
Indizien, dass der Trolleybus vom Markt anders wahrgenommen wird als der
Dieselbus. Da sind zuerst die offensichtlichen Unterschiede zum Dieselbus:
- durch die Leitungen hat der Trolleybus und damit der ÖV eine
ständige visuelle Präsenz im öffentlichen Raum,
- die sichtbare Linienführung macht die Erreichbarkeiten mit
dem ÖV besser merkbar.
Dass der Trolleybus von den VerkehrsteilnehmerInnen anders wahrgenommen
wird als der Dieselbus zeigt sich u.a. auch darin, dass der Trolleybus
viel weniger in Unfälle verwickelt ist als der Dieselbus (s. auch
das übernächste Kapitel). Die Prämien für die Haftpflichtversicherung
von Trolleybussen sind halb so hoch wie diejenigen von Dieselbussen (Quelle:
EBP 2002).
Der Trolleybus hat von der Marktpräsenz her eher Attribute des
Trams. „Der Trolleybus hat seine Schienen am Himmel“. Von der Marktseite
her gesehen ist die Wahl zwischen Trolleybus und Dieselbus nicht die Wahl
zwischen Fahrzeugalternativen, sondern eher von Systemalternativen. Der
Trolleybus ist ein eigenes System zwischen Dieselbus und Tram.
In Frankreich wird gezielt auf diese Analogie gesetzt. Busse mit elektrischer
Traktion, Spurführung und modernem Design schaffen einen Kontrast
zum konventionellen Bussystem und kreieren ein eigenes Image für
den Trolleybus, das sich am System Tram orientiert. Die Affinität
von Tram und Trolleybus hat auch einen historischen Hintergrund: in Zürich,
Luzern und Schaffhausen bspw. sind die Trolleybusse als Ersatz für
Tramlinien eingerichtet worden.
Aus dieser Sicht ist der Trolleybus „am Markt etwas wert“. Dieser Wert
ist aber schwierig auf Euro und Cents zu beziffern. Von daher muss offen
bleiben, in welchem Maß die Mehrkosten auf der Ertragsseite teilweise,
ganz oder sogar überkompensiert werden. Empirische Studien sind mir
nicht bekannt, wären aber ein interessantes Feld für die Marktforschung
im Verkehr.
Eine Einschränkung muss allenfalls bezüglich Komfort gemacht
werden: die längere Amortisationsdauer bei Trolleybussen kann in
den letzten Jahren der Lebensdauer dazu führen, dass ein gewisser
Rückstand in der Innenausstattung und im Fahrkomfort (z.B. Stichwort
„Niederflur“) gegenüber neuen Dieselbussen besteht. Erneuerungsmassnahmen
können aber dieses Manko – wenn auch zu gewissen Kosten – teilweise
vermindern helfen. 4. Aussichten Ändert
sich an den Kostenverhältnissen oder am „Marktwert“ des Trolleybusses
in der kommenden Zeit etwas? Kaum, denn erstens dominieren in beiden Systemen
die variablen Betriebskosten – und die sind praktisch identisch. Aber
auch bei den Investitionskosten sind kaum unterschiedliche Entwicklungen
zu erwarten:
- Der Wettbewerb unter den Anbietern von Trolleybussen ist beschränkt
und wird sich kaum verändern: weitere Konzentrationen werden
auf Widerstand bei den Wettbewerbsbehörden stossen und mehr Anbieter
werden kaum in diesen Kleinserienmarkt einsteigen. Von daher ist in
Zukunft kaum mit günstigeren Fahrzeugen zu rechnen.
- Interessanterweise ist die Situation bei den Dieselbussen kaum anders.
- Schwierig einzuschätzen ist die europaweite Wettbewerbssituation
bei den Anbietern von Fahrleitungsausrüstungen. In der Schweiz
bspw. ist die Wettbewerbssituation prekär.
- Technische Normen als Hindernisse? Mehr Konkurrenz im Angebot von
Fahrleitungssystemen kommt aber umso weniger in Gang als allenfalls
unterschiedliche technische Normen und Sicherheitsvorschriften in
den einzelnen Ländern den Markt bis zu einem gewissen Grad schützen
und den Markteinstieg für ausländische Anbieter u.U. erheblich
verteuern.
- Eine gewisse Marktverzerrung oder Marktbehinderung kann auch durch
eine unterschiedliche rechtliche Behandlung von Trolleybuslinien und
konventionellen Linien begründet sein.
Die Kosten werden sich in beiden Systemen nahezu parallel entwickeln.
Allenfalls könnte sich die Bildung eines Beschaffungspools von Trolleybusunternehmen
lohnen. Einerseits kann mit einemgemeinsamen Design und einer gemeinsamen
Ausgestaltung und Ausstattung das Image des Trolleybus weiter entwickelt
werden. Andererseits können über diesen Pool die Fahrzeugkosten
gesenkt werden2. 5. Externe Kosten: Vorteile für den
Trolleybus
5.1 Die Kriterien
Die externen Effekte, die externen Kosten spielen im Verkehr eine grosse
Rolle. Diese Kosten schlagen sich zwar nicht in der betriebswirtschaftlichen
Rechnung der TUs nieder, wohl aber in der volkswirtschaftlichen Betrachtung
durch die Allgemeinheit. Da die öffentliche Hand als Besteller von
Transportleistungen der grösste Kunde ist, sind Einsparungen bei
den externen Kosten ein wesentliches Verkaufsargument – ganz abgesehen
von einer sensibilisierten Bevölkerung, die sich ihr Image vom ÖV
nicht zuletzt über die externen Effekte der eingesetzten Verkehrsmittel
bildet.
Wenn das eine oder andere Verkehrsmittel – Dieselbus oder Trolleybus –
Vorteile in den externen Kosten geltend machen kann, verbessert dies nicht
nur seine volkswirtschaftliche Bilanz, sondern verschafft ihm auch am
Markt gewisse Vorteile – sei dies beim Besteller oder bei den VerkehrsteilnehmerInnen.
Folgende externe Effekte können im Falle von Trolleybus und Dieselbus
als relevant angesehen werden:
- Energieverbrauch (Betriebsenergie und graue Energie)
- Ausstoss von Klimagasen
- Luftbelastungen mit Stickoxiden und Kohlewasserstoffen
- Lärmbelastungen von Passagieren wie von Dritten
- Unfallhäufigkeit und –schwere
- Elektrosmog
- Flächenverbrauch
Für die letzten beiden Effekte liegen meines Wissens (noch) keine
„offiziellen“ Abschätzungen und Vergleichsuntersuchungen vor.
Im folgenden werden die anderen Aspekte erörtert. Dabei wird ein
relativer Systemvergleich vorgenommen: Trolleybus, Dieselbus und Tram
werden in Relation zum Personenwagen gestellt. Die Vergleiche beziehen
sich immer auf einen Personenkilometer mit dem jeweiligen Verkehrsmittel.
Sie sind also nachfragebezogen und nicht angebotsbezogen. Anschaulich
dargestellt: dem Kunden/der Kundin wird gesagt „wenn du vor der Wahl stehst,
deine Fahrt mit einem der aufgeführten Verkehrsmittel zu unternehmen,
dann verursachst du damit x% der externen Kosten, die du mit dem PW verursachen
würdest“. |
5.2 Ressourcenverbrauch: Energie
|
|
|
Abbildung 1 zeigt den Energieverbrauch von Trolleybus,
Tram und Dieselbus im Vergleich mit dem Personenwagen. Der Energieverbrauch
berücksichtigt sowohl die Energie für den Betrieb der
Fahrzeuge wie die graue Energie, die in den Betriebsausrüstungen
(Fahrzeuge resp. Fahrzeuge und Schiene beim Tram – aber in allen
Fällen ohne graue Energie der Fahrbahn) steckt. Die Übersicht
zeigt Trolleybus und Dieselbus etwa gleich auf, bei 40% des Energieverbrauchs
des PWs. Es handelt sich um eine rein „numerische“ Energiebetrachtung.
Woher die Energie stammt, spielt hier (noch) keine Rolle. Dies wird
später erörtert. |
Abbildung 1: Energieverbrauch
von Trolleybus, Tram und Dieselbus im Vergleich mit demjenigen des
Personenwagens (= 100)
Quelle: Vaucher 2003 |
5.3. Ausstoß von Klimagasen |
|
|
Abbildung 2 zeigt den Beitrag von Trolleybus, Tram
und Dieselbus an die Klimaveränderung im Vergleich zu demjenigen
des Personenwagens. Mit einem Beitrag von weniger als 10% des PWs
schneidet der Trolleybus besonders gut ab. Tram und Dieselbus verursachen
einen mehr als doppelt resp. vier Mal so hohen Erwärmungseffekt.
Hier wird die Art der Bereitstellung der Energie für den Trolleybus
bedeutsam (s.h.). |
Abbildung 2: Ausstoss von Klimagasen
durch Trolleybus, Tram und Dieselbus im Vergleich mit demjenigen
des Personenwagens (= 100)
Quelle: Vaucher 2003 |
5.4 Emission von Luftschadstoffen |
|
|
Abbildung 3 und Abbildung 4 zeigen im Verkehrsmittelvergleich
den Ausstoß von Stickoxiden, einem wichtigen Leitschadstoff
für die Luftbelastung mit Schadstoffen und denjenigen von Kohlenwasserstoffen.
In beiden Darstellungen schneidet der Trolleybus zwar am besten
ab. Im Vergleich mit dem Dieselbus ist aber zu beachten, dass sich
die Daten dieser Abbildungen auf Fahrzeuge der EURO-Norm 0 und 1
beziehen. Allerdings wird sich die Reduktion an Schadstoffemissionen
durch die neueren EURO-Normen nicht 1:1 in diese Abbildungen übertragen
lassen, da die Schadstoffbelastungen durch die Produktion und Verteilung
der Fahrzeuge und der Treibstoffe in diesen Darstellungen mitberücksichtigt
sind.
Nicht unerheblich ist auch die Komponente der räumlichen Verteilung
der Schadstoffemissionen. Der Dieselbus verursacht seine Emissionen
genau dort, wo die Vorbelastung durch PWs und Heizanlagen am höchsten
ist: in den Städten, siehe auch Kap. 0. Demgegenüber kann
erwartet werden, dass die Luftbelastung durch die Bereitstellung
von Strom aus fossiler Primärenergie eher in ländlichen
Räumen anfällt. Letztlich massgebend ist aber die Immissionssituation.
Es kann erwartet werden, dass diese in denStädten viel kritischer
ist als dort, wo der Strom produziert wird. |
Abbildung 3: Ausstoss von Stickoxiden
durch Trolleybus, Tram und Dieselbus im Vergleich mit demjenigen
des Personenwagens (= 100)
Quelle: Vaucher 2003 |
|
Abbildung 4: Ausstoss von Kohlenwasserstoffen
durch Trolleybus, Tram und Dieselbus im Vergleich mit demjenigen
des Personenwagens (= 100)
Quelle: Vaucher 2003 |
5.5 Lärmbelästigung |
|
|
Abbildung 5 zeigt, welche Lärmbelastungen von
einem Personenkilometer Fahrt mit verschiedenen Verkehrsmitteln
im Vergleich mit dem PW ausgehen. Der Trolleybus zeigt die besten
Werte. Tram und Dieselbus sind ca. um einen Faktor 1.5 schlechter,
aber immer noch bei weitem besser als der PW. Dieses Resultat rührt
von der hohen Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel her.
Ein Dieselbus mag zwar mehr Lärm verursachen als ein PW. Aber
für das gleiche Transportaufkommen braucht es mehrere Fahrzeuge.
|
Abbildung 5: Die Lärmbelastung
durchTrolleybus, Tram und Dieselbus im Vergleich mit derjenigen
durch den Personenwagens (= 100)
Quelle: Vaucher 2003 |
5.6 Der Einfluss der Stromerzeugung |
|
|
Der Ausstoss von Klimagasen und Luftschadstoffen,
der dem Trolleybus zugerechnet werden muss, hängt erheblich
von der Art der Stromproduktion ab. In der Regel wird den Berechnungen
der Mix der UPTE, des europäischen Stromverbundes, zugrunde
gelegt. Der Kraftwerkpark des europäischen Stromverbundes umfasst
sowohl fossile Stromproduktion wie solche aus Wasserkraftwerken,
Kernenergie und alternativen Energien wie Windkraft etc. Die Anwendung
dieses Mixes ist aber oft kontrovers. Gelegentlich werden auch nationale
Kraftwerkparks als Grundlage gefordert. Wie sehr der Vergleich verschiedener
Verkehrsmittel hinsichtlich des Ausstosses an CO2, Stickoxiden,
Schwefeloxiden und Partikel (PM) von der Art der Energieerzeugung
abhängig ist, zeigt folgende Abbildung 6.
Hier ist nicht ein Vergleich mit dem PW gezeigt, sondern ein relativer
Vergleich innerhalb der betrachteten Bustypen. Daraus geht hervor,
dass Strom aus Wasserkraft als Antriebsenergie die weitaus besten
Charakteristiken ausweist. |
Abbildung 6: Einfluss der Energieerzeugung auf
den Vergleich verschiedener Bustypen bezüglich Schadstoffemissionen
Quelle: Vaucher 2003 |
|
5.7 Unfälle |
|
|
Abbildung 7 zeigt die Unfallhäufigkeit und Unfallschwere
verschiedener Verkehrsmittel. Dabei ist zu beachten, dass die Zahl
der Verletzten absolut gesehen ca. 50 x höher liegt als die
Zahl der Todesopfer. Der Vergleich beruht auf der Basis Personenkilometer
(Pkm). Diese Übersicht illustriert sehr deutlich die Feststellung
von der unterschiedlichen Wahrnehmung von Trolleybus und Dieselbus
und vom Systemcharakter des Trolleybus: die Unfallcharakteristiken
des Trolleybus sind viel mehr mit denjenigen des Trams als mit denjenigen
des Dieselbusses vergleichbar. |
Abbildung 7: Vergleich in der Unfallhäufigkeit
und –schwere zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln (PW = 100)
Quelle: Infras 1997 |
5.8 Eine Schätzung für die monetären externen Effekte
|
|
|
Infras/Prognos/econcept haben für das Jahr 1993
eine Schätzung für die monetären (= in Geld bewerteten)
externen Kosten verschiedener Verkehrsmittel einerseits in Zentren,
andererseits im Umland der Zentren vorgenommen. Diese Zahlen sind
allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, da sie auf den Verhältnissen
jenes Jahres beruhen. Seither haben sich insbesondere bei den Luftschadstoffemissionen
des Dieselbusses Verbesserungen ergeben, nicht aber in allen andern
Komponenten der externen Kosten (Lärm, Unfälle etc.).
Alle angeführten Werte sind in Rp. schweizerischer Währung
aufgeführt. Für eine ungefähre Angabe in Cts. sind
diese Werte durch 1.5 zu dividieren.
Dass die externen Kosten desselben Verkehrsmittels im Zentrum tendenziell
höher ausfallen als im Umland, liegt an den häufigeren
Grenzwertüberschreitungen und den dadurch verursachten Schäden
in den Zentren. |
Abbildung 8: Externe Kosten des Personenverkehrs
im Zentrum und im Umland von Zürich, Bern und Neuchâtel
nach Verkehrsmittel
Quelle: Infras, Prognos, econcept 1996 |
Diese Zahlen können im Prinzip dazu verwendet werden, die betriebswirtschaftliche
Rechnung der vorangegangenen Abschnitte zu einer volkswirtschaftlichen
Rechnung zu erweitern. Dazu braucht es aber zusätzlich zu diesen
Angaben den durchschnittlichen Fahrzeugbesetzungsgrad der betrachteten
Linie.
Rechnen wir in Winterthur mit 10 Personen pro Fahrzeug im Tagesdurchschnitt
und mit 5 Rp. an externen Kosten pro Pkm beim Bus und 1 Rp. beim Trolleybus,
dann ergibt sich, dass zu den betriebswirtschaftlichen Kosten des Dieselbus
noch 50 Rp. oder 33 Cts. an externen Kosten, beim Trolleybus aber nur
10 Rp. oder 7 Cts. hinzuzuzählen wären.
Andere Methoden einer Bewertung von Umweltbelastungen – wenn auch nicht
monetär – führen zu vergleichbaren Schlussfolgerungen (vgl.
Klooz 1996).
Für alternative Antriebssysteme wie Gas und allenfalls Wasserstoff
oder für die Brennstoffzelle liegen noch keine monetären Bewertungen
vor.
|